SCHOOL(E)MOTIONS - Unbeschwerte Augenblicke in der Schule (1)

Nina Blome

Der Ausflug

Der Wecker klingelte und riss Vicky aus ihren Träumen.
'Oh Nein!... Keine Lust auf Schule..' , dachte sie, bis ihr einfiel, dass sie heute mit ihrer Klasse einen Ausflug in den Zoo machen würde.
Das war zwar auch nicht gerade das Spannendste auf der Welt, doch immerhin mal eine Abwechslung.
Also stand sie auf und fuhr wenig später zum vereinbarten Treffpunkt vor dem Schultor. Manche aus der Klasse waren schon da und freuten sich wahnsinnig, dem langweiligen Schulalltag zu entkommen.
Schließlich waren alle versammelt und sie machten sich auf den Weg in Reih' und Glied in Richtung Zoo. Dieser Weg war natürlich wie erwartet alles andere als organisiert. Die meisten Schüler benahmen sich mal wieder wie im Kindergarten, doch die Lehrer störte das nicht.
Sie machten keine Anstalten zu meckern -was wirklich ungewöhnlich für sie war- , sondern ließen sich von der Stimmung mitreißen und rissen Witze über Affen.
Im Zoo angekommen, wurden sie in Gruppen aufgeteilt und durften sogar ohne die Lehrer losziehen.
Das war auf eine komische Art und Weise irgendwie befreiend.
Sie konnten praktisch tun, was sie wollten und niemand konnte sie aufhalten!

Später sollten sie sich dann wieder am Eingang treffen, um den Heimweg anzutreten, doch die Lehrer waren so großzügig, alle Schüler zu einem Eis einzuladen.
Alle waren begeistert und sagten natürlich nicht nein zu diesem Angebot.

Jeder einzelne wirkte unheimlich fröhlich, so als ob alle Sorgen zu Hause geblieben wären. Alle genossen diesen Ausflug, weil er mal so gar nichts mit der langweiligen Schule zu tun hatte.
In diesem Moment war der ganze Schulstress einfach vergessen.

So sollte Schule öfter sein.

 

Judith Laker

Unbeschwertheit in Weiß

So ward gelesen in dem leichten Gefühl, das mich jedes mal überkam, wenn ich die Reise von neuem begann:

Kälte streift hart mein Gesicht
Trügerisch werde ich jedoch geblendet
Ein Meer von Sternen glitzert vor mir
wartet darauf mich zu umgeben
und so spüre ich sie nicht
Wind hallt leise, das kratzende Geräusch in den Kurven
Geschwindigkeit beängstigt mich
doch meine Willenskraft kontrolliert meinen Weg
Ich lebe für und in dem Augenblick
in dem ich keine Gedanken an Sorgen verschwende
Wie in eine unwirkliche weiße Welt zu tauchen
die aus Watte besteht
Durch Wolken fahren, scheinbar taumeln,
Sicht entschwindet kaum merkbar
doch gewohnte Bewegungen wiederholen sich
Unwirklich erscheinen Schrecken, die hier geschehen,
einen Schritt zu weit zu gehen
soll Schmerz bereiten
doch wie minder scheint das Risiko
wie unendlich die Weite
Kleine Rillen durchziehen das Pulver
Die Landschaft malt Fantasie
Fantasie komponiert ein Lied
Der Vogel in den Wäldern singt es weiter
Ich versinke, schlittere plötzlich
wache wieder auf, geschockt drücke ich die Kanten in den Berg
fange mich
fliege weiter und muss lachen
Konzentriert auf meinen Weg setze ich ihn fort und schreibe ein weiteres Kapitel
in den Schnee
Um mich herum
alles bekannte Gesichter
bekannte Welten
ich werde mit ihnen den Abend verbringen
neue Erfahrungen machen
um den Kreis wieder zu schließen
um in den frühen Morgenstunden wieder
und wieder
in das Weiß zu tauchen
Eine Woche vergeht wie ein Jahr und doch wie ein paar Minuten
Unbeschwert

 

Muzaffer Bogazliyan

Abschluss 


Er schaute sich im Klassenraum um. Die Tische bildeten eine U-Form, sodass die Mitte der Klasse völlig freistand. Fast jedes Gesicht, das sein Blick traf, lachte entspannt, die schlechteste Laune war ein Grinsen, bemerkte er nebenbei. Die Jahre hatten die Klasse zu einer festen Gemeinschaft geformt. Er drückte die Zähne aneinander, als er feststellte, dass diese Gemeinschaft sich in der nächsten Woche auflösen würde. Dennoch spiegelte der Abdruck der Erleichterung die Gesichter der Klasse wider. Einige Schüler diskutierten schon jetzt eifrig über Zukunftspläne, über den neuen Lebensabschnitt. Bei vielen bedeutete er der Eintritt in das Neue, das Ungewisse, das Abenteuerliche, das Umsetzen vom langweiligen Schultisch zum Bürotisch, bei manchen lediglich einen Standortwechsel und Fortführen des Gewöhnlichen.
Die Lehrerin, die vorne am Lehrerpult in ihre Unterlagen versunken war, hob langsam ihren Kopf , ließ ihre Augen einmal um die Klasse schweifen, hob dann den rechten Arm mit geöffneter Hand, und als sie sicher war, dass alle Blicke sie trafen und heitere Privatgespräche eingestellt wurden, sagte sie: „Herzlichen Glückwunsch, ihr alle verlässt die Schule mit mindestens Realschulsabschluss“. Ein breites Lächeln überzog das Gesicht der Lehrerin. Die Überraschung innerhalb der Klasse war an erstaunten Gesichtern festzulegen. Sie alle hätten diese durchweg positive Bilanz kaum erwartet. Die Kollektiveuphorie verstärkte sich durch das ungewöhnliche Gefühl von Stolz, dass die meisten Schüler in ihrer ganzen Schulkarriere nie im Zusammenhang mit Schule erlebt hatten. „Daher liegt die freie Gestaltung der letzten Schulwoche in euren Händen. Ich bitte um...“ Noch bevor die Lehrerin ihren Satz beendete, riefen einige ihre Gestaltungsvorschläge lautstark in die Klasse herein. Das plötzliche eintretende Geschreie und Durcheinander sprengte die Reizschwelle der Lehrerin, die mit angespannt-gequältem Gesicht und beiden Händen auf den Ohren auf den teppichlosen Klassenboden starrte.
Ihm war es egal, so egal, dass er vielleicht sogar den irrsinnigen Vorschlag akzeptieren würde, die letzte Schulwoche komplett tatenlos in der Klasse abzusitzen. Die Entlastung, die Leere, die Freude, die er innerlich verspürte, waren immens. Das langjährige Warten und Hoffen hatte ein glückliches Ende gefunden. Vom Gipfel des großen Berges, der ihm anfänglich so unerreichbar und kosmisch weit entfernt erschien, trennten ihn noch einige Schritte, die nunmehr einem ebenen Geradeausgang glichen. Die Freude, ein gesetztes Ziel erreicht zu haben, überwältigte ihn. Er hatte noch nie in seinem Leben Drogen ausprobiert, aber für ihn war klar: Dieses Gefühl musste die Wirkung jeder Droge sein. Es kam ihm vor, als ob die Freude jegliche anderen Gedanken, gute, böse, bedeutende, unbedeutende, friedliche und feindliche, überschrieb. Auch kam es ihm vor, als ob seine Schulzeit einem ansteigenden Funktionsgraphen der Belastung glich, der plötzlich fällt und eine Nullstelle bildet. Schon jetzt blickt er in die vorgestellten Bilder seiner Zukunft, fühlt sich erwachsen, als ob der Schulabschluss den offiziellen Übergang von der Adoleszenz zum Erwachsensein markierte.
„Hey, Thomas, willst du nicht mitkommen?“ Plötzlich erwachte er aus dem Gedankenstrom, der ihn von der äußeren Wahrnehmung der Umwelt abschnitt und noch nicht mal bemerken ließ, dass die Klasse schon längst den Verlauf der Woche geplant und der Raum sich geleert hatte. Er bemerkte seine Lehrerin, die an der Tür wartend ihn mit schnellen Hin- und Herbewegungen der Hand zu sich rief. Thomas stand auf, schob den Stuhl nach vorne und verließ langsam mit verwirrtem Gesicht das Klassenzimmer. Er hörte noch, wie die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.

Montag. Draußen war es drückend warm, die Hitze engte ihn ein. Er brauchte Eis. Er befand sich mit seiner Klasse in einer großen Eisdiele in der Stadt.
Dienstag. Dieser Tag sollte sportlich werden, er liebte Fußball, und dann auch auf weichem Kunstrasen, besser konnte es nicht sein.
Mittwoch. Sein Puls stieg von Tag zu Tag. Es donnerte in seiner Brust, genau wie das Wetter, das heute nicht mitspielen wollte. In der Klasse lief ein Spielfim, niemand schaute hin.
Donnerstag. Kann es wahr sein? Sollte der vorletzte Schultag das Ende einer Ära sein? Er saß auf dem Schulhof. Er blickte in den blauen und wolkenlosen Himmel und bemerkte einen vorbeischwebenden Vogelschwarm. Er fand nicht, dass er nicht fliegen konnte.
Und dann war es soweit, das Ziel, das er sich mühsam erarbeitet hatte, lag in weißem, schwarzgedrucktem Papier in seiner Hand. Eine Mischung aus Erleichterung und Fassungslosigkeit überkam ihn. Die Jugend war zweifellos die Blütezeit des Lebens. Er schaute auf die Datierung des Blattes, sein Kopf war leer.
Freitag. Freiheit. Feiertag. Ferien. Finale.

Die komplette Schulwoche verging so schnell. Eine schnellere Woche hatte er noch nie erlebt, die Zeit schien ihm Freund zu sein, auch diese Erfahrung hatte er in seiner bisherigen Schullaufbahn noch nie gemacht. Vielleicht lag es einfach nur daran, dass die anstehenden heißen und freien Sommertage im geplanten Urlaub ihm den Kopf verdrehten und ihm sein Zeitgefühl raubten...

 

Zehra Pinar

Auf Klassenfahrt

Berlin, Berlin, sie sagen, deine Straßen sind grau
Deine Läden zu voll und dein Himmel nicht blau
Doch ich weiß es besser als die, die so sagen,
Berlin, du bist die Stadt der tausend Farben.

Mit Lebenslust und Freude in meinem Gepäck
Hast du das Leben in mir wieder geweckt,
Du empfingst mich mit deinen offenen Armen
Und maltest mich bunt mit deinen tausend Farben.

Sorglos an den Säulen des Brandenburgertor,
Sorglos stieg ich die Treppen in Kreuzberg empor,
Sorglos in deinen bunten Straßenbahnen,
Ich weiß es besser als die, die Schlechtes sagen.

Eines Nachts als ich deine Straßen entlang lief
Und deine Stimme mir ein Lied zurief,
Das Lied, das den Namen Unbeschwertheit trug,
Berlin, von deinem Lied bekomme ich nie genug.

 

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Unbeschwert 2

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